„Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund!“
Auszug aus: „De Cane“ von H. v. Bingen, Naturforscherin und Universalgelehrte, 12. Jh.
Ein Hund als bester Freund ist der Traum fast jeden Kindes.
Wer das Glück hatte, in der Kindheit einen Hund an seiner Seite gehabt zu haben,
kennt das wunderbare Gefühl mit diesem Kumpel alles teilen zu können.
Er war immer da, hat zugehört…, hat Sicherheit gegeben.
(vgl. Lambrecht B., 2016, S. 10, Hundeschule für Schulhunde).
In diesem Zusammenhang möchten wir an der Wichtelhäuser-Schule Träume
wahr werden lassen und bieten Einsätze gemeinsam mit Schulhund Henry
als „Lesehund“ sowie eine „AG Schulhund“ an. 
Mensch-Hund-Team
Der Mensch hinter dem Mensch-Hund-Team:
Ich arbeite seit über 25 Jahren als (Grundschul-) Lehrerin und habe in dieser Zeit bereits viele positive Erfahrungen mit dem Einsatz von Hunden in Schule und Unterricht sammeln können. Als Lehrkraft an einer privaten Schule für geistig- und köperbehinderte Schülerinnen und Schüler hatte ich in der Zeit von 2001 bis 2010 meinen letzten Mischlingshund Scotty regelmäßig mit im Unterricht - ein absoluter Gewinn für die gesamte Schulgemeinde.
Seit 2024 leite ich mit großer Freude die Wichtelhäuser-Schule in Lahntal-Sterzhausen und habe seit dem Schuljahr 2025/26 einmal in der Woche meinen Mischlingshund Henry als Schulbegleithund mit in der Schule.
Auch nach Schulschluss begleitet er mich regelmäßig mit in die Schule und ist mit dem Schulgelände bereits gut vertraut.
Begegnungen mit Kindern der Nachmittagsbetreuung verliefen bisher entspannt und ohne Komplikationen.
Henry lebt zusammen mit mir und meinem Mann in unserem privaten Haushalt und wird artgerecht versorgt und gepflegt. Seine Erziehung ist geprägt von positiver Verstärkung und einer innigen Mensch-Hund-Beziehung.
Schulbegleithund Henry - ein „Golden-Irish“
Der Hund hinter dem Mensch-Hund-Team:
Der Golden-Irish ist der perfekte Mix aus Energie und Streicheleinheiten.
Der Golden-Retriever ist nicht umsonst einer der beliebtesten Hunde der Welt – er ist sanftmütig, liebevoll und ein großartiger Familienhund.
Ursprünglich wurde die Rasse gezüchtet für die Jagd, um Vögel - vor allem auch aus dem Wasser- zu apportieren.
Der Irish-Red-Setter ist ein eher mutiger, energiegeladener Hund, der gerne spielt und regelmäßig Bewegung braucht.
Der Irish Setter gehört zur Gruppe der Vorstehhunde. Er wurde gezüchtet um Vögel und Wild zu lokalisieren und anzuzeigen.
Die genannten Eigenschaften machen den Golden-Irish zu einem idealen Haustier für Familien mit Kindern und zu einem perfekten Schulbegleithund, da er - intelligent und loyal wie er ist - gleichermaßen für Abwechslung und Ausgeglichenheit sorgt. Im Unterricht könnte er u.a. zum Beispiel benötigte Gegenstände apportieren oder im Rahmen der AG einfache Tricks erlernen.
Auch Henry bringt die beschriebenen Eigenschaften mit. Er befindet sich mit seinen 4 Jahren im sogenannten Erwachsenenalter (= ab einem Alter von 15 Monaten) und ist den Aufgaben als Schulbegleithund aufgrund seiner sozialen Reife in vollem Umfang gewachsen.
Henry ist ein freundlicher Hund ohne Aggressionspotenzial, der Kinder liebt, sich absolut umweltverträglich zeigt und einen soliden Grundgehorsam an den Tag legt. Darüber hinaus hat er im vergangenen Jahr mit mir gemeinsam die Begleithund-Ausbildung absolviert.
Tiergestützte Pädagogik
Ein Schulbegleithund ist ein speziell ausgebildeter und geprüfter Hund,
der gemeinsam mit seiner Bezugsperson (= Lehrkraft/ Päd. Fachkraft)
in einzelnen Unterrichtssequenzen oder im Rahmen von Wahl-Pflicht-Angeboten
o. ä. eingesetzt werden kann.
Wissenschaftliche Studien und zahlreiche Berichte von Lehrkräften belegen,
dass Hunde bei der Förderung von Ausdauer und Konzentration und damit
auch bei der Förderung von Gedächtnisleistungen, bei der Verbesserung
des Selbstwertgefühls, bei der Anregung von Kommunikation und Sprache,
bei der Einhaltung von Regeln sowie bei der Kontrolle von Impulsen wirksam sein können.
Darüber hinaus kann der Einsatz eines Schulbegleithundes tatsächlich
zur Abnahme verbaler und körperlicher Auseinandersetzungen beitragen,
da gerade auch zum Schutz des Hundes eine konsequente Einhaltung von Regeln
unerlässlich ist. Im verantwortungsvollen Umgang mit dem Hund werden soziale
Umgangsformen sowie Respekt und Toleranz spielerisch gefördert.
Rechtliche Vorgaben
Seitens des Hessischen Ministeriums für Kultus, Bildung und Chancen gibt es gegenüber der früheren Erlasslage keine grundsätzlichen Bedenken mehr gegen den Einsatz von Schulbegleithunden.
Die rechtliche Grundlage für einen Schulbegleithund-Einsatz in Hessen findet sich in den §§ 3 Abs. 5, 127b Hessisches Schulgesetz (HSchG):
Danach entwickelt jede Schule ihr eigenes pädagogisches Konzept und legt die besonderen Ziele und Schwerpunkte ihrer Arbeit (z. B. Schulbegleithund-Einsatz) in ihrem Schulprogramm fest.
Verschiedene Schulämter und Schulträger regeln in Zusammenarbeit mit den Schulen den Schulbegleithund-Einsatz über sog. „Kooperationsverträge“.
Es handelt sich aber immer um Einzelfallentscheidungen, für die bestimmte Voraussetzungen für den Einsatz eines Schulbegleithundes erforderlich sind.
Am Ende entscheidet die Schulleitung über den Einsatz eines Schulbegleithundes und trägt damit auch die Verantwortung.
Konkrete Vorgaben und Richtlinien zum Einsatz von Schulbegleithunden finden sich in den „Richtlinien zur Sicherheit im Unterricht“ (RiSU) der Kultusministerkonferenz (KMK) in der Fassung vom 21. September 2023.
Jeder Einsatz in der hundegestützten Pädagogik erfolgt nur im aus- bzw. weitergebildeten Mensch-Hund-Team und setzt ein sicheres Vertrauensverhältnis voraus.
Der Einsatz zwischen Schülerinnen bzw. Schülern und Hund erfolgt ausschließlich unter ständiger Aufsicht der Hundeführerin bzw. des Hundeführers. Ein Einsatz des Hundes ohne Hundeführerin oder Hundeführer ist nicht zulässig.
Der Einsatz muss immer nach Hunde- und Tierschutzaspekten sowie tierethischen Grundsätzen geplant und durchgeführt werden. Der Hund darf nicht instrumentalisiert werden. Individuelle Stärken sollten berücksichtigt werden.
Um den professionellen Einsatz eines Schulhundes zu gewährleisten, ist das Erstellen eines Schulhundkonzepts unabdingbar. Zusätzlich sind eine kontinuierliche Reflektion, Evaluation und Anpassung der Arbeit notwendig.
Rituale für den Hund und Regeln für die Schülerinnen und Schüler müssen etabliert werden, um dem Hund Hilfestellungen beim Einsatz zu geben und um Stress zu reduzieren.
Die Möglichkeit des selbstständigen Rückzugs des Hundes auf einen eigenen und ungestörten Ruheplatz muss gewährleistet sein.
Der Einsatz des Hundes muss entsprechend seiner Bedürfnisse und Voraussetzungen und denen der Hundeführerin/Pädagogin bzw. des Hundeführers/Pädagogen, der Schülerinnen und Schüler und der Schule individuell angepasst werden
Vor dem Einsatz des Hundes im Unterricht sind die Sorgeberechtigten nach bekannten Allergien ihrer Kinder zu befragen. Bei Schülerinnen und Schülern ab der Sekundarstufe II können auch diese befragt werden.
· Nach dem Umgang mit dem Hund sind die erforderlichen hygienischen Maßnahmen (z. B. Händewaschen) durchzuführen. (vgl. KMK, 2023, S. 111)
Schulbegleithund-Einsatz an der Wichtelhäuser-Schule
Bezug zum Kerncurriculum Hessen – Primarstufe
Da Henry im Unterricht der Wichtelhäuser-Schule nicht ausschließlich fachgebunden sondern eher fächerübergreifend bzw. in Wahl-Pflicht-Angeboten eingesetzt werden soll, wird nachfolgend ein Überblick über die "Überfachlichen Kompetenzen" des Kerncurriculums für Hessen für die Primarstufe gegeben:
|
Personale Kompetenz (S. 8, 9) Der Einsatz eines Schulbegleithundes … - ermöglicht den Lernenden selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu handeln. - entwickelt ein positives Selbstbild und Selbstvertrauen. - erfordert, sich situationsangemessen zu verhalten und das eigene Handeln zu steuern. - ermöglicht den Lernenden, ihre Interessen und Gefühle wahrzunehmen und diese zu formulieren. - ermöglicht das Formulieren eigener Wünsche und Bedürfnisse und das Respektieren der Wünsche und Bedürfnisse anderer.
|
Sozialkompetenz (S. 8, 9) Durch den Einsatz eines Schulbegleithundes … - bauen die Lernenden im Miteinander positive Beziehungen auf. - entwickeln sie Rücksichtnahme und Solidarität und setzen sich für andere ein. - übernehmen die Lernenden Verantwortung für sich und andere. - helfen und unterstützen sie sich gegenseitig und gehen achtsam (…) mit anderen um. - halten sie sich an Regeln und Absprachen und gehen auf andere ein. |
|
Lernkompetenz (S. 10) Durch den Einsatz eines Schulbegleithundes … - bearbeiten die Lernenden Fragestellungen und kommen zu sachgerechten Lösungen. - setzen sich die Lernenden selbst Ziele. - planen die Lernenden ihre Arbeit und setzen sie schrittweise um. - nutzen sie Strategien zur Lösung von Aufgaben. - erlangen die Lernenden ein planvolles Vorgehen mit angemessener Zeiteinteilung. |
Sprachkompetenz (S. 10) Der Einsatz eines Schulbegleithundes ermöglicht … - den Lernenden, sich verständlich auszudrücken und sich an Gesprächen konstruktiv zu beteiligen. - das Nachdenken über unterschiedliche Texte. - das Verfassen eigener sachgerechter Texte (mit konkr. Bezug zur Lebenswirklichkeit). - die konstruktive Beteiligung an Gesprächen. - das Wahrnehmen von Kommunikations- und Interaktionsprozessen.
|
Die folgende Tabelle soll einen ersten Überblick über die wichtigsten Regeln im Rahmen von unterrichtlichen Einsätzen mit dem Schulbegleithund Henry geben (vgl. Heyer / Kloke):
|
RICHTIG! J |
FALSCH! L |
|
Ein Kind – ein Hund! |
Bitte nicht alle auf einmal! |
|
Leise sein! |
Bitte nicht schreien! |
|
Henry nur sanft streicheln. |
Henry auf keinen Fall schlagen oder treten! |
|
Henry bitte von unten streicheln. |
Henry bitte nicht von oben streicheln! |
|
Warten, bis Henry zu dir kommen möchte. |
Bitte nicht hinter Henry herlaufen. |
|
Henry darf weggehen… |
Henry bitte nicht festhalten. |
|
Bitte warten, bis Frau Marschall Henry holt. |
Bitte nicht zu Henry‘s Decke/ Platz gehen. |
